Hermannstadt, mit rumänischem Namen Sibiu, war seit jeher der Mittelpunkt für die deutsche Minderheit in Siebenbürgen. Auch heute noch lebt hier eine der zahlreichsten deutschen Bevölkerungsgruppen Rumäniens, aber auch eine bedeutende ungarische Minderheit. Trotzdem ist Hermannstadt eine vorwiegend rumänische Stadt (95% der Bevölkerung sind rumänischer Herkunft), die es verstanden hat, diese drei Kulturen sowie jene anderer Minderheiten zu bewahren und zu vereinen.
Die siebenbürgischen Dörfer und Burgen wurden im 12. Jh. von Siedlern von Mosel und Rhein, die in den Urkunden als „Saxones” bezeichnet wurden, erbaut.
Die erste urkundliche Erwähnung des heutigen Hermannstadt stammt von 1191, als Papst Coelestin III. die Errichtung der freien Propstei der deutschen Gemeinde in Siebenbürgen bestätigte, die ihren Sitz in Hermannstadt, „Cibinium”, hatte.
Von den ungarischen Königen hierhergerufen, erhielten die Siedler zahlreiche Rechte und Privilegien; als Gegenleistung mussten sie sich an der Verteidigung des Gebiets gegen die Angriffe der Tataren und Türken beteiligen.
Sie schufen „das Land der sieben Burgen”, woher einige die Bezeichnung „Siebenbürgen” herleiten, sowie zahlreiche Dörfer mit Kirchenburgen, in denen die Bevölkerung bei Gefahr Schutz fand.
Zu Beginn des 20. Jhs ist Hermannstadt eine pulsierende Stadt auf der Höhe ihrer Zeit, die dritte Stadt Österreich-Ungarns mit elektrischer Beleuchtung und die zweite mit einer elektrischen Straßenbahn. Das erste Kino eröffnet 1909, und 1910 werden die ersten öffentlichen Toiletten errichtet.
Seit 1919 heißt die Stadt offiziell „Sibiu”, und die Straßen erhalten rumänische Bezeichnungen. 1945, nach Ende des zweiten Weltkriegs, beginnt die Deportation der Siebenbürger Sachsen in die Sowjetunion. 2800 Angehörige der deutschen Volksgruppe wurden deportiert, viele davon kehrten nicht mehr zurück.
Mit kleinen Ausnahmen haben die kommunistischen Machthaber die Altstadt unberührt gelassen. 1968 wurde Sibiu zum Vorort des gleichnamigen Verwaltungbezirks. Am 21. Dezember 1989 begannen in Hermannstadt antikommunistische Demonstrationen, die sich auch am 22. Dezember fortsetzten. Hermannstadt erhob sich als zweite Stadt Rumäniens, nach Temeswar, gegen die kommunistische Diktatur.
Heute tritt Hermannstadt als authentische kulturelle und touristische Hauptstadt Rumäniens auf, mit seinem mittelalterlichen Zauber, seiner reizvollen Umgebung, seiner Gastronomie, seinen Traditionen und seinen Naturschönheiten ein Anziehungspunkt für Besucher.
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